Agrarpolitisches Bündnis Bremen

Wer gehört dazu?

Im Agrarpolitischen Bündnis Bremen (ABB) sind Mitglieder folgender Organisationen aktiv vertreten:

Mehr Bio und weniger Billigfleisch - auch auf dem Freimarkt!

"Anteil von Lebensmitteln aus bio-regionaler Produktion und dem Fairen Handel ist innerhalb von fünf Jahren auf mindestens 25 Prozent zu erhöhen" - Pressemitteilung vom 17. Oktober 2019

Das Agrarpolitische Bündnis Bremen (ABB) kritisiert anlässlich der morgigen Eröffnung des diesjährigen Freimarkts, dass die zuständigen Behörden bisher keine sichtbaren Anstrengungen unternommen haben, die Standbetreiber anzuhalten, das dortige Verzehrangebot verstärkt aus regionaler, tierwohlgerechter und ökologischer Produktion zu beziehen. Das ABB begrüßt zwar erste Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit, z.B. bei der Müllvermeidung, ist aber der Ansicht, dass zukünftig auch bei den Speiseangeboten mehr Wert auf einen nachhaltigen Konsum gelegt werden muss und Billigfleischprodukte auf dem Freimarkt nichts zu suchen haben.

Während der Freimarktzeit  werden tausende Bratwürste und große Mengen Geflügelprodukte verzehrt. Das gesamte Geflügel- und Schweinefleisch kommt mit großer Wahrscheinlichkeit aus einer nicht artgerechten intensiven Tierhaltung und aus agrarindustriellen Mastbetrieben. Etwa die Hälfte aller Mastschweinein Deutschland lebt in Betrieben mit 1.000 bis über 5.000 Schweinen. „Sie stehen ihr kurzes Leben von 6 – 7 Monaten auf engstem Raum und auf kotverschmierten Spaltenböden ohne Stroheinstreu, kommen nie an die frische Luft und fressen Futtermittel aus Soja und Mais, für die Urwälder gerodet werden, die zur Bindung des Treibhausgases Kohlendioxyd dringend benötigt werden“, so Peter Bargfrede, Sprecher des ABB von der Bremer Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaft, die dort Gründungsmitglied ist.

„Angesichts der Ausrufung der Klimanotlage durch die neue Landesregierung müssen Behörden und Marktorganisatoren für den nächsten Bremer Freimarkt ein Konzept für ein Verzehrangebot entwickeln, das eine klimafreundliche, ökologische und tierwohlgerechte Erzeugung zur Basis hat“, so der ABB-Sprecher. „Billigfleisch aus der tierquälerischen Massentierhaltung sollte vom Freimarkt verschwinden. Der Anteil von Lebensmitteln aus bio-regionaler Produktion und dem Fairen Handel ist innerhalb von fünf Jahren auf mindestens 25 Prozent zu erhöhen“, so Peter Bargfrede vom ABB, das auch für eine Bio-Quote auf allen anderen Bremer Großveranstaltungen plädiert.

Das ABB setzt sich für eine sozial-ökologische Agrarwende ein, für einen Umbau der Tierhaltung und eine grundlegende Reform der EU-Agrarpolitik. Öffentliches Geld sollte zukünftig gezielt in Umwelt-, Natur – und Klimaschutz und die Erhaltung bäuerliche Betriebe gesteckt werden. Öffentliches Geld nur für öffentliche Leistungen!

Wiesenhof bleibt ein Werder-Makel

Das ABB fordert Ausstieg aus Billigfleisch-Angeboten im Weserstadion - Pressemitteilung vom 23.Juli 2019

Die Verlängerung des Vertrags von Werder mit Wiesenhof in den Sommerferien lässt zumindest vermuten, dass den Werder-Verantwortlichen das schlechte Image ihres Hauptsponsors nicht ganz unbekannt ist und sie in den großen Ferien nicht mit großen Protesten von Tierschützern rechnen müssen. „Denn trotz der Produktion eines veganen Burgers verdient der Wiesenhof-Konzern seine Millionen fast ausschließlich dadurch, dass in den Wiesenhof-Ställen die Geflügeltiere auf engstem Raum zusammengepfercht sind, mehrmals mit Antibiotika behandelt werden müssen und von artgerechter Haltung keine Rede sein kann“, so Peter Bargfrede, Sprecher des ABB von der Bremer Erzeuger-Verbraucher-genossenschaft.   

Aus Sicht des ABB ist es mehr als bedauerlich, dass ein Verein wie Werder Bremen, der sich ansonsten in positiver Weise sozial engagiert und auf sein gutes Image wert legt, nicht in der Lage oder willens ist, einen weniger umstrittenen Sponsor zu finden. "Politisch Verantwortliche, aber auch gesellschaftliche Akteure wie der Bundesligaverein Werder Bremen, haben eine Verantwortung für eine tierquälerische Massentierhaltung und einen zu hohen Fleischkonsum, der nach Berechnungen des Weltklimarats einer der Hauptverursacher des Klimawandels ist", so der Sprecher des ABB.

Bremen ist Biostadt und hat als erste deutsche Großstadt beschlossen, Billigfleisch aus Kitas und Schulen zu verbannen und bis 2022 dort nur noch Bio-Lebensmittel einzusetzen. Zukünftig soll es laut Koalitionsvertrag auch in den Mensen von öffentlichen Hochschulen und Mensen – mittels eines Stufenplans – kein Billigfleisch mehr geben und der Fleischkonsum reduziert werden. „Das ist vorbildlich und Werder Bremen wäre gut beraten,  eine Strategie zum Ausstieg aus dem Billigfleisch-Angebot im Weserstadion zu entwickeln und einen Beitrag zur Stärkung der ‚BioStadt Bremen‘ zu leisten“, so Monika Baalmann vom Verein SozialÖkologie, Mitglied im ABB.

Was will das Agrarpolitische Bündnis Bremen?

Anlässlich der Bremischen Bürgerschaftswahl im Mai 2019 hat das ABB ein Positionspapier entwickelt mit neun Eckpunkten und dem Titel:

Mehr gesunde Lebensmittel aus verantwortungsvoller, nachhaltiger Landwirtschaft in Bremen und umzu

Wie wir uns ernähren, welche Lebensmittel wir kaufen oder nicht kaufen, also unser Ernährungsverhalten, hat weitreichende Folgen für die Umwelt, unsere Gesundheit und insbesondere auf die Art und Weise, wie Landwirtschaft betrieben wird. „Kein Sektor ist so stark mit der Gestaltung von Lebensräumen verwoben wie die Landwirtschaft. Ändert sie sich, ändern sich auch die ökologischen und sozialen Systeme, die darin beheimatet sind“. (Agraratlas, 2019). Im Sinne einer solchen dynamischen Entwicklung fordern wir eine bäuerliche Landwirtschaft, welche ökologisch nachhaltig und tiergerecht ist und den Bäuerinnen und Bauern eine gute wirtschaftliche Existenz sichert. Wir fordern den Einsatz für eine Landwirtschaft, die verantwortungsvoll mit den Menschen, den Tieren und der Natur umgeht. Industrialisierte Landwirtschaft, die auf Kosten-Minimierung und Gewinn-Maximierung setzt, stellt für uns keine zukunftsfähige Perspektive dar.

Um ein nachhaltiges Ernährungsverhalten auf den Weg zu bringen, brauchen wir eine Reform der EU-Agrarpolitik, die Gemeinwohlleistungen wie landwirtschaftliche Umwelt-, Klima- und Tierschutzmaßnahmen den Vorrang gibt. Ökologischer Landbau, Ausgleichszahlungen für wirtschaftliche Nachteile aufgrund natürlicher Gegebenheiten, Qualitätserzeugung, regionale Vermarktung und integrierte ländliche Entwicklung müssen gezielt gefördert werden. Geplante Ausnahmen, Re-Nationalisierung von Maßnahmenentscheidungen und drastische Kürzungen dürfen sie nicht verwässern. Unser Positionspapier enthält im Folgenden neun zentrale Eckpunkte mit den sich daraus ergebenden Forderungen für eine Enkel-taugliche Ernährung und Landwirtschaft.

Hier gibt es das gesamte Positionspapier zum Nachlesen (Download pdf, 799 kB)

ABB-Wahlprüfsteine – Fragen an die Parteien zur Bürgerschaftswahl

Von den zur Bremischen Bürgerschaftswahl angetretenen Parteien wollte das ABB anhand von Wahlprüfsteinen wissen, was SPD, CDU, Die Grünen, Die Linke und die FDP in der neuen Legislaturperiode für eine gesunde  Ernährung und eine enkel-taugliche Landwirtschaft unternehmen wollen.

Hier sind die Fragen:

1. Ökolandbau

Bremen ist „BioStadt“ und nach Berlin mit 21,1 Prozent das Bundesland mit dem höchsten Anteil an ökologisch bewirtschafteter landwirtschaftlicher Fläche. Wir setzen uns dafür ein, dass noch mehr Landwirte ihren Betrieb auf den klimafreundlichen biologischen Landbau umstellen. Unser Ziel lautet: Bis 2030 sollen 50 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in Bremen ökologisch bewirtschaftet werden.

Frage: Wie stehen Sie zu unserer Forderung? Was werden Sie zukünftig zur Förderung des ökologischen Landbaus in Bremen unternehmen?

 

2. Aktionsplan 2025 – Ausdehnung auf Mensen in Hochschulen/Uni

Der 2018 vom Bremer Senat auf Initiative des ABB beschlossene „Aktionsplan 2025 - Gesunde Ernährung in der Gemeinschaftsverpflegung der Stadtgemeinde Bremen“ findet bundesweit Beachtung und fördert bereits jetzt die Bereitschaft weiterer Bremer Landwirte, ihren Betrieb auf Bio umzustellen. Er sieht vor, dass in öffentlichen Kitas, Schulen und Krankenhäusern nur noch Bio-Milch verwendet werden darf und bis 2022 die gesamte Verpflegung in Kitas und Schulen aus dem ökologischen Landbau kommen muss, in Krankenhäusern 25 Prozent bis 2024.

Frage: Werden Sie unsere Forderung unterstützen, dass zukünftig der Aktionsplan auch auf die Kantinen in öffentlichen Einrichtungen und auf Mensen in Hochschulen und Universität Anwendung findet und auch dort bis 2022 mehr  Bio-Milchprodukte und Bio-Lebensmittel zum Einsatz kommen?

 

3. Weidehaltung

Einige konventionell wirtschaftenden Landwirte lassen ihre Rinder nicht mehr auf die Weide und Biobetriebe müssen ihren Tieren lediglich einen Laufhof zur Verfügung stellen. Weidehaltung ist aus Gründen des Tierwohls, der Artenvielfalt von Fauna und Flora auf den Grünlandflächen und des Klimaschutze sehr wünschenswert. 

Frage: Sind Sie auch dafür, dass Bremer Landwirten, die ihre Rinder mindestens 120 Tage auf die Weide lassen, eine Weideprämie für die entstehenden betrieblichen Mehraufwendungen gezahlt wird?

 

4. Pestizideinsatz in der Landwirtschaft

Unser Ziel ist eine Landwirtschaft in Bremen, die ohne Pestizide auskommt. Als Zwischenziel werben für dafür, bis 2030 den Pestizideinsatz in der Landwirtschaft Bremen zu halbieren. Wir werden dafür eintreten, dass Ackergifte wie das vermutlich krebserregende Glyphosat und die bienen- und insektentötenden Neonicotinoide schnellstmöglich europaweit verboten werden.

Frage: Was halten Sie von unsern Forderungen für eine pestizidfreie Landwirtschaft und einem Verbot von Ackergiften?

 

5. Gentechnikfreie Landwirtschaft

Bereits seit 2011 ist Bremen sogenannte „gentechnikfreie Region“, das bedeutet in Bremen werden weder gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut noch gentechnisch veränderte Tiere gezüchtet. Wir möchten Bremer Landwirt*innen darüber hinaus ermutigen, dass ihre Nutztiere nur noch gentechnikfreie Futtermittel erhalten. Damit wäre Bremen wirklich eine gentechnikfreie Region.

Frage: Unterstützen Sie unser Ziel, dass alle Bremer Landwirte freiwillig auf den Einsatz gentechnikfreier Futtermittel verzichten sollten, damit Bremen wirklich eine gentechnikfreie Region wird?

 

6. Tierwohl und Kennzeichnung von Lebensmitteln

Tiere sind Lebewesen und kein agrarindustrieller Rohstoff. Die auf Höchstleistung und Maximalertrag getrimmte Tierhaltung verursacht Tierleid, Qualzucht und regelmäßig Lebensmittelskandale. Eine Kehrtwende bei der Tierhaltung und Tierzucht ist überfällig. Für uns sind Lebewesen keine Wegwerfprodukte.

Frage: Unterstützen Sie auch unsere Forderung nach mehr Platz und besseren Haltebedingungen für unsere Nutztiere, einem Verbot von Reserveantibiotika und einer verbindlichen gesetzlichen Kennzeichnung – ähnlich der von Eiern – von tierisch erzeugten Lebensmitteln?

 

7. Essbare Stadt

Ein Projekt „Essbare Stadt“ gibt es bereits in vielen Städten, auch in Bremen gibt es Initiativen dazu. Ziel ist u. a. die Nutzung des urbanen Raums zum Anbau von Lebensmitteln und die Förderung einer vielfältigen lokalen Lebensmittelproduktion.

Frage: Wie finden Sie das Projekt einer „Essbaren Stadt“ und dass auf ausgewählten öffentlichen Flächen Obst und Gemüse angebaut werden darf, die alle Bremer*innen ernten dürfen?

 

8. Ernährungsbildung

Gutes Essen beginnt mit der Wertschätzung von Lebensmitteln. Dafür braucht es mehr Wissen bei Verbraucherinnen und Verbrauchern darüber, wie Lebensmittel hergestellt werden, was darin enthalten ist und wie sie auf Mensch und Umwelt wirken. Wir wollen dem Thema deshalb in den Kitas und Schulen mehr Raum geben und den Kindern und Jugendlichen Kenntnisse und unmittelbare Erfahrungen vermitteln – theoretisch wie praktisch. Wir fordern, dass in Bremen die Umweltbildung im Sinne des Berichts „Zukunft Bremen 2035 (Handlungsfeld 13, Teilziel 4) u.a. durch ein neu einzurichtendes Unterrichtsfach „Ernährungsbildung“ umgesetzt wird und das jedes Bremer Grundschulkind einmal im Rahmen des Unterrichts auf einem Bauernhof gewesen sein sollte

Frage: Sind Sie auch für die Einführung eines neuen Unterrichtsfachs „Ernährungsbildung“ und das jedes Bremer Grundschulkind einmal im Rahmen des Unterrichts auf einem Bauernhof gewesen sein sollte?

 

9. Haus der Ernährung

Wie wir uns ernähren, woher unsere Lebensmittel kommen und wie sie produziert werden hat enorme Auswirkungen auf die biologische Vielfalt, auf Böden, Wasser, Klima und auf die Gesundheit der Menschen. Die Ernährung erhält im gesellschaftlichen Diskurs trotzdem immer noch nicht die Bedeutung, die notwendig wäre.  Wir fordern daher, dass  Bremen ein öffentlich gefördertes, aber unabhängiges „Haus der Ernährung“ nach dem Vorbild vom Kopenhagener  „House of Foods“  erhält - gegründet zum Zweck der Verbesserung der Speisen in öffentlichen Einrichtungen.

Frage: Sind Sie auch dafür, dass Bremen ein öffentlich gefördertes „Haus der Ernährung“ nach dem Kopenhagener Vorbild „House of Food“ erhält?

Kontakt Agrarpolitisches Bündnis Bremen

Agrarpolitisches Bündnis Bremen (ABB)

Ansprechpartner: Peter Bargfrede
c/o Verein SozialÖkologie im Kulturzentrum Lagerhaus
Schildstr. 12-19
28203 Bremen


Tel. (0421) 34 99 077
agrarpolitisches@buendnis-bremen.de
www.buendnis-bremen.de